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Wahl – Auswahl – Entscheidung

 

Außergewöhnliche Fragestellungen, nicht alltägliche Zugänge und wenig behandelte Themen – „unkonventionelle Forschung“ ist im Rahmen der gleichnamigen Initiative der Karl-Franzens-Universität Graz gefragt. Eines der fünf  Projekte, die aus über 80 eingereichten Vorhaben ausgewählt wurden, ist jenes des Projektleiters Richard Sturn vom Institut für Finanzwissenschaft und Öffentliche Wirtschaft mit dem Titel "Wahl - Auswahl – Entscheidung".

Es handelt sich dabei um ein interdisziplinäres Projekt, welches sich mit den fundamentalen Herausforderungen in der Analyse kollektiver Entscheidungen und dem Design von Auswahlverfahren bzw. Wahlregeln beschäftigt. Im Speziellen geht es hierbei darum, basierend auf den individuellen Bewertungen verschiedener Alternativen (Präferenzen) durch Mitglieder einer Gruppe eine Gruppenentscheidung zu finden wie etwa die "beste" Alternative oder eine kollektive Reihung der Alternativen. Dies ist insofern wichtig, als zahlreiche Entscheidungen über ökonomische, soziale oder politische Materien in und durch Gruppen getroffen werden.

Die Kollektiventscheidungstheorie (Social Choice Theory) liefert dabei den theoretischen Rahmen für die Analyse und Bewertung solcher Wahlregeln, eine Entwicklung, die ihren Anfang in den 1950er Jahren genommen hat und vor allem auf den Arbeiten der Nobelpreisträger Kenneth Arrow und Amartya Sen aufbaut. Parallel zur Analyse von Wahlregeln entwickelte sich die ökonomische Theorie der Politik, die stark in der Politikwissenschaft verwurzelt ist und heute als Public Choice Theorie bekannt ist. Einer der wesentlichsten Vertreter der Public Choice Theorie war der Nobelpreisträger James Buchanan. Die letzten 60 Jahre brachten auf beiden Gebieten zahlreiche bahnbrechende theoretische Resultate und Erkenntnisse mit sich, in der praktischen Anwendung bei politischen bzw. betriebswirtschaftlichen Entscheidungen werden diese Erkenntnisse jedoch relativ selten berücksichtigt. Ausnahmen bilden hierbei praktische Anwendungen auf den Gebieten der Computerwissenschaft und des Operations Research, in denen die Kollektiventscheidungstheorie im letzten Jahrzehnt stetig an Bedeutung gewonnen hat. 

Ein wesentliches Problem der meisten bisherigen Arbeiten besteht in der geringen Verfügbarkeit tatsächlicher Präferenzinformation. Verfügbare Information aus Wahlen bzw. Gruppenentscheidungen ist meist limitiert auf jene Daten, die im Wahlprozess erfasst werden. Oft sind das nur einzelne Alternativen aus einer relativ großen Menge an Alternativen, wie z.B. bei der Pluralitätswahl, bei der jedes Individuum genau eine Stimme für eine Alternative abgeben kann. Die dahinterliegenden vollständigen Präferenzen (wie z.B. die vollständige Reihung der Alternativen) werden meist nicht einmal erfasst. Es lässt sich somit schwer nachvollziehen bzw. überhaupt begründen, ob das kollektive Ergebnis denn auch wirklich einem wie auch immer gearteten ”kollektiven Willen” entspricht. Um dies untersuchen zu können, wurden mittels Parallel-Wahlen bei der steirischen Landtagswahl sowie der Hochschülerschaftswahl an der Karl-Franzens-Universität Graz einzigartige Daten im Bereich politischer Kollektiventscheidungen gewonnen.

Aggregations- bzw. Wahlverfahren gibt es in großer Anzahl und sind theoretisch bereits in großem Maß erforscht. Aufgrund der gewonnenen Daten können nun einerseits die empirische Relevanz theoretischer Resultate und andererseits die Komplexität diverser Wahlregeln geprüft werden. 

Im Zentrum dieses interdisziplinären Forschungsprojekts steht nun also das Wählen im Sinne von Auswählen aus unterschiedlichen Möglichkeiten, also Entscheidungsfindung in allgemeiner Form. Drei Fragen stehen im Mittelpunkt unseres Projekts:

1. Wie verhalten sich unterschiedliche Wahlregeln bei realen Präferenzdaten mit komplexer Information?

2. Wie lässt sich das individuelle Wahlverhalten durch Informationen über reale Präferenzen und individuelle Faktoren erklären?

3. Wie können Wahlregeln bei gemeinsamen Entscheidungen eines Management-Teams für betriebliche Optimierungsprobleme verwendet werden?

Neben der Choice & Decision-Gruppe (Mitglieder des Instituts für Finanzwissenschaft und Öff. Wirtschaft sowie des Instituts für Statistik und Operations Research) ist auch die empirische Politikwissenschaft/Demoskopie (insbesondere Prof. Peter Filzmaier) an diesem Projekt beteiligt.

 

Ansprechpartner für dieses Projekt sind Prof. Sturn, Prof. Klamler, Prof. Pferschy und Priv.-Doz. Darmann.

Kontakt

Prof. Dr. Richard Sturn
Universitätsstraße 15/E4 8010 Graz, Austria
Telefon:+43 (0)316 380 - 3461
Fax:+43 (0)316 380 - 9530

Kontakt

Prof. Dr. Christian Klamler
Universitätsstraße 15/E4 8010 Graz, Austria
Telefon:+43 (0)316 380 - 3465
Fax:+43 (0)316 380 - 9530

Medienstimmen zur Präsentation v. 21.10.2015

Zu der am 21.10. stattgefundenen Präsentation haben wir einen Medienspiegel zusammengestellt.

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